Theateraufführung „Keinsternhotel“

Nein, nicht ein Hotel mit kleinen Sternen – ein Hotel ganz ohne Sterne. So wird Deutschland von Asylsuchenden erlebt, die jahrelang auf einen dauerhaften Aufenthaltsstatus in Deutschland warten.

„Mir ist das Stück unter die Haut gegangen!“ – „Das Theater hat mich tief bewegt.“ – „Die Schauspieler haben mir ihre Situation im Warte-Zustand nahe gebracht! Ich hatte keine Vorstellung, wie es sich anfühlt, hier in Deutschland zu leben und jederzeit damit zu rechnen, wieder abgeschoben zu werden.“ Dies waren drei Zuschauerreaktionen auf das Theaterstück, das am 5. November 2010 in der Epiphaniaskirche aufgeführt wurde. Geschickt verstanden es die Spieler und Spielerinnen, die Zuschauer in Beteiligte zu verwandeln. Man konnte nicht distanziert „konsumieren“, dazu war das Stück zu bewegend. Außerdem waren im Verlauf die Zuschauer und Zuschauerinnen direkt angesprochen und so aufgefordert, sich so in das Stück hinein zu begeben.

Das Boat-people-Projekt aus Göttingen unter der Leitung von Luise Rist und Nina de la Chevallerie sucht über das Medium des Theaters die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Flucht und Flüchtende (www.boat-people-projekt.de). Die Spieler und Spielerinnen waren mit Ausnahme einer professionellen Schauspielerin alle als Asylsuchende nach Deutschland gekommen, manche sind nach wie vor in der Situation nicht zu wissen, ob sie nächste Woche noch in Deutschland sind. Dieser Hintergrund wurde in der anschließenden Diskussion zwischen Spielern und Spielerinnen mit den Zuschauern lebhaft deutlich. Die rege Beteiligung an der anschließenden Diskussion hat die Brisanz des Themas deutlich werden lassen. Spannend war es auch, die unterschiedlichen Positionen der Migranten und Migrantinnen wahrzunehmen. Es war ein gelungener Beitrag zum gegenseitigen Verständnis.

Der Hintergrund insbesondere der afrikanischen Flüchtlinge, die unter einem hohen Erwartungsdruck ihrer Familien stehen, viel Geld nach Hause zu schicken, wurde durch das Theaterstück nahe gebracht. Durch Erzählungen und Medien wird nach wie vor das Bild nach Afrika transportiert, dass ja jeder, der im Westen lebt, reich ist. Und wer es auf welchem Weg auch immer hierher geschafft hat, hat nach deren Vorstellung automatisch Anteil an diesem Reichtum. Da es bei den Migranten Scham auslöst zu sagen, unter welchen finanziellen Bedingungen sie im „Geldparadies“ leben, täuschen sie ihren Familien (die Söhne den Müttern!) etwas vor, das mit ihrer Lebensrealität nichts zu tun hat. Doch die Familie in der Heimat lässt es stolz auf den Sohn in Europa sein. Gleichzeitig wächst der Druck, dem auch nachzukommen.

Dank der großzügigen finanziellen Unterstützung durch das Quartiersmanagement und die ideelle Unterstützung durch Andreas Bodamer-Harig wurde die Aufführung in der Epiphaniaskirche im Sahlkamp ermöglicht.

Pastorin Karen Schmitz

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