Nachgedacht

Liebe Leserin, Lieber Leser,

auf die Frage, woran man eine Christin / einen Cristen am ehesten erkennen könne, antwortet eine alte Frau:

an der Hoffnung.

Sie selbst hat in ihrem Leben vieles ertragen müssen: Krieg und Notzeiten, den Verlust lieber Menschen und manche Enttäuschung, aber sie hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass Gott es gut mit ihr meint. Nach allem Schweren hat sie immer wieder ins Leben hineingefunden. Und die Hoffnung darauf, dass es gut wird, hat ihr die Freude am Leben erhalten.

Ostern ist für uns Christinnen und Christen das Fest der Hoffnung schlechthin. Gegen allen Tod, Gewalt und Grausamkeit in unserer Welt ist durch die Auferstehung Jesu Christi die Hoffnung gesetzt, dass diese Wirklichkeit nicht das letzte Wort hat. Das Leben und die Liebe sind stärker als alle zerstörerischen Mächte.

Darum ist seit der frühen Christenheit das Osterfest ein besonderer Zeitpunkt für Taufen gewesen, insbesondere auch die Osternacht. Das „Gottesgeschenk“ der Taufe an einem solchen Tag zu bekommen, hat einen zeichenhaften Charakter. Vor jedem Kind, vor jedem jungen Menschen liegt eine Geschichte, deren wichtigste Grundlage Hoffnung ist; Hoffnung, dass das Leben bewahrt und behütet bleibt, Hoffnung, dass das Leben gut wird. So werden auch heutzutage in vielen Kirchen, auch in der Tituskirche, am Osterfest Menschen getauft. Die Hoffnung auf gelingendes Leben steht am Anfang. Das „Jahr der Taufe“ regt an, über solche Zusammenhänge besonders nachzudenken.

Ohne Hoffnung gehen Menschen ein, wie eine Blume ohne Wasser. Doch Hoffnung ist kein „Selbstläufer“. Sie ist nicht unangefochten, weil es in unserem Leben viel zu viel gibt, was die Hoffnung beeinträchtigen oder zerstören kann. Darum muss sie gepflegt, gestärkt und lebendig gehalten werden. Dies geschieht vor allem durch das Leben in der Gemeinschaft, in der Gemeinde. Durch das Miteinander von Menschen, die andere an ihren Hoffnungsgeschichten teilhaben lassen. Und es geschieht durch die Weitergabe des Glaubens im Gottesdienst, im Konfirmandenunterricht, in Seelsorge und Diakonie und in vielen Begegnungen.

 

Nach Ostern und den Taufen an diesem Fest feiern wir Ende Mai den Abschluss der Konfirmandenzeit mit der Konfirmation. Die Konfirmation erinnert die Jugendlichen an ihre Taufe und den hoffnungsvollen Weg, den sie seitdem mit Gott gegangen sind. Konfirmation ist Befestigung, Stärkung im Glauben. Wenn die Jugendlichen dadurch „reicher werden in der Hoffnung“, wenn sie selbständiger werden und Ziele für ihr Leben entwickeln, dann sind sie wirklich gestärkt.

 

Ostern – Taufe – Konfirmation: Stationen auf dem Lebensweg von jungen Menschen. Gut, wenn der „Gott der Hoffnung“ sie und alle, die sich von ihm leiten lassen wollen, darauf begleitet.

 

Ich wünsche Ihnen allen Gottes gutes Geleit auf einem hoffnungsvollen Weg

Ihr Bodo Kahle, P.

 

 

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