Nachgedacht – Gedanken zum Erntedank

Liebe Leserinnen und Leser,

Sie schauen im Gottesdienst immer auf den Altar. Am Erntedanktag aber besonders. Kürbis, Äpfel, Brot und Möhren, Kartoffeln und Kohl liegen auf und an dem „heiligen Tisch“. Das Alltägliche, für das leibliche Wohl nötige, wird ausgebreitet. Nicht in erster Linie für Ihre Augen. Sie sehen das alles auch im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt in noch größerer Vielfalt und Fülle. Es ist für Gottes Augen bestimmt. Es liegt auf dem „Gottes-Tisch“. Nanu – hat Gott nicht die ganze Welt im Blick? Kennt er nicht alle Früchte der Erde? Natürlich! Es ist ein kleines Zeichen unseres Dankes, was wir auf den Altar legen. Wenig im Vergleich mit dem, was wir alles kaufen können.

Das Alltägliche bringen wir in den Gottesdienst vor  Gott. Wenn wir aus dem Gottesdienst herausgehen, bringen wir Gottes Anliegen in den Alltag.

Wir fragen uns: Warum danken wir Gott am liebsten mit Brot, Obst und Gemüse? Essen wir nicht noch lieber Fleisch, Wurst und Schinken? Trinken wir nicht gerne Bier, Wein und Korn? Brauchen wir nicht jede Woche viel Fett, Salz und Zucker? Schätzen wir nicht vor allem ein Essen mit chemischen Zusatzstoffen, Geschmacksverstärkern, Aromen und Konservierungsstoffen, dazu mit Rückständen von Pestiziden und Spuren von Antibiotika. Mit diesen wird das Geflügel gefüttert, das massenhaft gehalten wird. Vielleicht sollten wir auf den Altar einen großen Sack Zucker legen, dazu viele Gefäße mit den chemischen Zusatzstoffen, auch falschen Käse und zusammengeklebte Wurst. Einen Trog mit unnatürlichem Tierfutter sollten wir nicht vergessen. Wir wollen ja, dass die Tiere möglichst schnell und billig gemästet werden. Käfige sollten wir neben Gottes Tisch aufstellen mit Hybrid-Hühnern, die innerhalb von wenigen Lebenswochen ein Gewicht erreichen, dass sie nicht mehr stehen können, mit Turbo-Hühnern, die in ihrem ersten Lebensjahr ein Maximum an Eiern legen und dann verbraucht sind. So wollen wir es. Denn auch preiswerte Schokolade auf den Altar legen, Gott zum Dank. Die Kakaobohnen für diese Schokolade (die nicht fair gehandelt wird) wurden wahrscheinlich von versklavten Kindern geerntet, die selbst nie Schokolade essen können. Aber uns schmeckt es.

Wir legen lieber unschuldige Früchte auf den Tisch, auf den Gott schaut. Viele essen zwar alles andere mehr als Brot, Obst und Gemüse. Aber vor Gott tun wir unschuldig.

Was ist Gottes Gebot? Zunächst einmal erfahren wir in der Bibel, dass Gott am Anfang nur pflanzliche Nahrung vorgesehen hat. Es ist ein Zugeständnis Gottes an das Raubtier „Mensch“, dass wir Fleisch essen dürfen. Massentierhaltung, Turbo-Mästen, Tierquälerei beleidigen den Schöpfer. Wenn wir damit ankämen am Erntedanktag, wäre es das „Opfer des Kain“, das Gott nicht mag. Wir müssen keine Vegetarier sein. Wir müssen nur wissen, dass Fleischessen etwas Besonderes ist. Und dass kein Tier nur dafür da ist, dass wir uns den Bauch vollschlagen.

Bei allem, was Menschen der natürlichen Nahrung an künstlichen Stoffen zuführen, ist die Frage: Warum geschieht es? In erster Linie, um mehr Profit zu machen. Warum soll Gott das gut finden?

„Aller Augen warten auf dich, HERR, und du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit.“

Gott will unsere Ernährung in seiner Hand behalten. Er hat unsere Ernährung nicht an die Nahrungsmittelindustrie abgegeben. Eine biologische Landwirtschaft ist Gottes Willen näher als eine industrielle Landwirtschaft. Diese dient keineswegs dazu, dem Hunger in der Welt zu begegnen. Die reichen Länder produzieren mit industriellen Methoden ein Übermaß an Lebensmitteln – von denen ein Viertel wieder vernichtet wird.

Gott will auch Gerechtigkeit. Diejenigen, die für uns die Früchte der Erde anbauen, sollen von ihrer Arbeit leben können. Sowohl die Bauern in unserem Land als auch die Menschen auf allen Kontinenten. Ohne Ausbeutung, ohne Sklaven- und Kinderarbeit soll es zugehen, eben „fair“.

Achten wir also mehr als bisher auf das, was gut ist: gut für die Umwelt, gut für die Mitgeschöpfe, gut für die Mitmenschen, gut für unsere Gesundheit. Wir sollen Gott danken mit reinem Herzen und nicht gedankenlos, wir sollen ihn loben ohne Heuchelei, mit Respekt vor seiner Schöpfung.

Diese Worte zum Nachdenken schreibt Ihnen

Ihr Pastor Otfried Krüger

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