Und eine Wolke nahm ihn auf (Apostelgeschichte 1), Gedanken von Pastor Otfried Krüger

Liebe Leserinnen und Leser,

zu Christi Himmelfahrt laden zwei Gemeinden ein an einen Ort: Epiphanias kommt nach Titus. Wir feiern gemeinsam einen Gottesdienst, möglichst draußen vor der Kirche, damit wir den Himmel sehen. Christen sind merkwürdige Leute. Sie feiern, weil Jesus Christus von dieser Welt gegangen ist. Sagen wir das sonst nicht von Verstorbenen? Ist es nicht ein trauriges Geschehen? Was gibt es zu feiern?

Wie war das mit Jesus? Er ist am Kreuz hingerichtet worden, er ist gestorben. Daran haben wir am Karfreitag gedacht. Er ist nicht im Grab geblieben, neues Leben kehrte in seinen toten Körper zurück. Das feierten wir am Osterfest. Der lebendige Jesus war mit seinen Freunden und Freundinnen zusammen, ist ihnen in 40 Tagen immer wieder erschienen. Darüber freuen wir uns in der österlichen Zeit. Die Menschen, die Jesus nah waren, merkten, dass er nicht mehr ganz zu dieser Erde gehörte. Er war anders geworden, als sie ihn vor Ostern kannten. Die Erde hatte keine Macht mehr über ihn, in keiner Weise. Mauern oder geschlossene Türen hielten ihn nicht. Er konnte sie durchschreiten. Menschen konnten ihm nichts mehr tun. Seine Feinde bekamen ihn nicht zu Gesicht.

Ist das glaubhaft? Oder sind die Berichte darüber Einbildungen und Erfindungen? Wer will dies oder das Gegenteil davon beweisen? Du kannst es nur glauben. Ich glaube es. Nicht, dass ich es jetzt erklärlich machen kann. Mit Physik, Chemie und Biologie hat es nichts zu tun, auch nicht mit historischer Wissenschaft. Nur die Anhänger und Anhängerinnen von Jesus bezeugen diese Geschichte, in der Jesus Herr über die Naturgesetze ist, und nicht ihnen untertan, wie wir es sind. Ich finde es gut, mich den Menschen anzuschließen, die Jesus nahe waren. Ich finde es gut, an Jesus zu glauben. Nicht nur ein bisschen, nicht nur teilweise, sondern ganz. Darum glaube ich auch an das, was 40 Tage nach Ostern geschah.

Jesus Christus ist von dieser Welt gegangen. Nicht als Verstorbener, sondern als Lebender. Er ist in Richtung Himmel aufgefahren. Eine Wolke nahm ihn auf. Mit diesem Himmel ist aber nicht der blaue Himmel über uns gemeint und auch nicht der Weltraum. Jesus hat den sichtbaren Bereich der Schöpfung, „die Erde“, verlassen, und ist in den unsichtbaren Bereich der Schöpfung, „den Himmel“, gegangen. Das bedeutet nicht, dass er fern von uns ist. Genau wie der blaue Himmel über uns schon über dem festen Erdboden beginnt – wir leben im Luftbereich – so beginnt der unsichtbare Himmel auf der sichtbaren Erde. Jesus kann den Menschen ganz nahe sein. Aber niemand kann ihm einen Schaden tun. Er ist verletzbar gewesen auf der Erde. Das ist nicht vergessen. Er trägt die fünf Wundmale noch immer an seinem Körper.

Für mich bedeutet Christi Himmelfahrt, dass unser Lebensbereich und darüber hinaus das ganze Weltall, die physikalische, erforschbare Wirklichkeit, nicht die ganze Wirklichkeit ist. Die Schöpfung ist weit mehr, als Menschen beobachten, messen und errechnen können. In der unsichtbaren Schöpfung sind viele Geschöpfe zu Hause. Wir nennen sie Engel. Sie haben verschiedene Gestalten und Aufgaben. In der unsichtbaren Schöpfung ist Gott – der allerdings größer ist als die ganze Schöpfung – gewissermaßen zu Hause. Nicht bei uns auf der Erde. Bei Gott ist Jesus. Gott und Jesus gehören zusammen wie Vater und Sohn.

Der Himmel ist in gewisser Weise die Gegenwelt zur Erde und zum ganzen Weltall. Das Weltall ist extrem lebensfeindlich. So weit wir wissen, gibt es nur auf dieser Erde Bedingungen, die Leben ermöglichen. Und auch auf dieser Erde hat es das Leben nicht leicht. Alle Lebewesen kämpfen um ihr Leben, meist gegen andere Lebewesen. Besonders die Menschen machen sich das Leben gegenseitig schwer. So ist es in dem Himmel nicht, in dem Jesus ist. Das Böse ist dort hinausgeworfen, freilich auf die Erde.

Ist der Himmel nun für uns Menschen auf der Erde wichtig? Was nützt er uns? Er muss uns gar nichts nützen. Trotzdem ist er von hoher Bedeutung für uns. Er ist das Zuhause von Gott und Jesus und dem Heiligen Geist. Er ist das Zuhause der zahllosen himmlischen Geschöpfe, auch unserer Schutzengel.

Im Himmel ist unsere Zukunft aufbewahrt. Das Reich Gottes – das Reich der Himmel – das himmlische Jerusalem: das ist eine Welt, die aus dem Himmel zu uns kommt, die ganz anders ist als unsere jetzt, nämlich extrem lebensfreundlich. Im Himmel ist auch unsere Vergangenheit aufbewahrt. Wenn wir sterben, haben wir dort einen schönen Ort des Träumens und der Ruhe. Wir warten dort, bis Gott uns aufweckt zu einem neuen Leben in seinem Reich, das kommen wird.

Irgendwann wird Gott alles neu machen, den Himmel so wie die Erde. Dann gibt es nur noch die Ewigkeit. Und Sie sind eingeladen, dort zu leben.

Pastor Ottfried Krüger

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