Eindrücke aus der Arbeit des Kirchenvorstandes

SONY DSChier: Irmgard Schulz

 

Frau Schulz, Sie sind seit 2012 im Kirchenvorstand.
Was hat Sie motiviert, sich für dieses Amt zur Verfügung zu stellen?

Ich wohne seit 1992 in diesem Stadtteil. Meine beiden Söhne sind hier konfirmiert worden, von daher hatte ich schon lange eine Bindung an die Epiphanias-Gemeinde. Es hat mich gefreut, als ich darauf angesprochen wurde, ob ich nicht für den Kirchenvorstand kandidieren möchte. Ich hatte für die Jahre meiner Pensionierung schon darüber nachgedacht, nun habe ich eben schon früher damit angefangen.

Was sind Ihre Aufgaben im Kirchenvorstand?

Ich arbeite im Familienzentrums-Ausschuss bzw. Diakonie-Ausschuss und im Kooperationsausschuss mit der Titus-Gemeinde mit.

Was macht Ihnen besondere Freude?

Ich mag den Kontakt mit den Gottesdienstbesuchern, wenn ich Sonntagsdienst habe. Manchmal komme ich mit Menschen ins Gespräch und bin beeindruckt von den Erfahrungen, die sie mir erzählen. Ich lerne eine Menge daraus, auch für meinen Alltag.

Die Zusammenarbeit im Kirchenvorstand finde ich richtig gut. Wir sind ganz verschiedene Leute mit unterschiedlichen Lebensschwerpunkten und auch verschiedenen Ansichten. So etwas kann ein Problem sein, im Kirchenvorstand erlebe ich es als Stärke, weil wir mit Wertschätzung und Toleranz miteinander umgehen. Ich habe von manchen Dingen schlicht wenig Ahnung, z.B. für die Bausachen oder die Arbeit des Finanz-Ausschusses hätte ich nicht die nötigen Kenntnisse, aber alles wird so gut erklärt, dass ich mir eine Meinung dazu bilden und „nebenbei“ mein Wissen erweitern kann.

Im Familienzentrums-Ausschuss bekomme ich Einblicke in die Arbeit von Kindertagesstätte und Krippe, das ist für mich als Lehrerin sehr interessant. Seitdem wir ein Familienzentrum geworden sind, freue ich mich über die neuen Möglichkeiten, Kinder und Eltern zu unterstützen.

Durch den Kooperations-Ausschuss mit der Titus-Gemeinde erlebe ich, welche Chancen und Probleme aus der Zusammenarbeit zweier Kirchen entstehen. Darüber habe ich früher gar nicht nachgedacht, ich fand es nur gut, als ich im Gemeindeanzeiger über die Kooperation gelesen habe. Inzwischen nehme ich wahr, dass es unterschiedliche Erwartungen und Wünsche an die Kooperation gibt. Damit umzugehen ist nicht immer einfach, aber ich schätze die Offenheit, mit der wir miteinander reden, sehr. Insgesamt empfinde ich die Kooperation als Bereicherung und freue mich, daran mitwirken zu können.

Was fällt Ihnen schwer?

Ich bin noch berufstätig und habe auch in meiner Familie Aufgaben. Darum habe ich nicht immer so viel Zeit, wie ich gern für den Kirchenvorstand hätte. Dankbar bin ich dafür, dass ich in solchen Zeiten Unterstützung bei den anderen Mitgliedern des Kirchenvorstandes gefunden habe.

Wie groß ist der zeitliche Umfang Ihrer Tätigkeit?

Das ist unterschiedlich, je nachdem, was gerade zu tun ist. Mehr als vier Stunden in der Woche sind es selten, oft auch weniger, wie jetzt in den Ferien. Allerdings erfordert es auch Zeit, über die Arbeit nachzudenken.

Haben Sie an Fortbildungen teilgenommen, wenn ja, an welchen?

Der Kirchenvorstand macht einmal im Jahr eine gemeinsame Fortbildung für ein Wochenende. Daran nehme ich teil.

Wo sehen Sie die Herausforderungen in diesem Amt?

Bedingt durch Kirchenaustritte, in unserer Gemeinde auch durch Wegzug von Kirchenmitgliedern, werden die finanziellen Spielräume der Gemeinde enger. Das zeigt sich unter anderem daran, dass wir nur noch eineinhalb Pastorenstellen haben, obwohl die Arbeit nicht weniger geworden ist. Dadurch besteht die Gefahr, dass die evangelische Kirche weniger präsent sein könnte und weniger Menschen wahrnehmen, dass es ein Ort ist, wo man gut aufgehoben ist und, anders als z.B. in einem Verein, sich auch den Sinnfragen des Lebens stellen kann.

Viele Menschen finden es heute schwer, einen Zugang zum Glauben an Gott zu finden. Die Wissenschaft stellt Aussagen in Frage, das Leben selbst spiegelt oft nicht die Gerechtigkeit Gottes wider. Ich wünsche mir, dass unsere Gemeinde zeigt, dass diese scheinbaren Widersprüche in einer christlichen Gemeinschaft ausgeglichen und ein tätiger Glaube gelebt werden kann. So nehme ich die Gemeinde auch wahr, deshalb habe ich mich hier engagiert. Als Herausforderung sehe ich es, die gute Vorarbeit durch meine Arbeit mit weiter zu führen.

Herzlichen Dank an Pastor Benti, der auch dieses Interview führte.

 

 

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