Eindrücke aus der Arbeit des Kirchenvorstandes

karenhier: Pastorin Dr. Karen Schmitz

Frau Pastorin Schmitz, Sie sind zusammen mit Pastor Petersen geborenes Mitglied im Kirchenvorstand.

Ja, als Pastorin oder Pastor bin ich „Mitglied kraft Amt“, wie es in der Kirchengemeindeordnung steht. Anders als die Kirchenvorsteher und -vorsteherinnen kandidieren wir also nicht, sondern gehören als Pastoren dieser Gemeinde automatisch zum Kirchenvorstand.

Wie kommt es, dass Sie zurzeit auch den Vorsitz im Kirchenvorstand haben?
Über viele Jahre hat dies Herr Depenbrock gemacht, so wurde mir erzählt.

Für Pastor Petersen und mich war es sehr beeindruckend, die Interviews zu lesen, die die ehrenamtlichen Kirchenvorsteher- und vorsteherinnen gegeben haben. Es wird deutlich, wie viel Zeit sie oft neben der Berufstätigkeit investieren. Für unsere Gemeinde war es ein Glücksfall, dass Herr Depenbrock schon eingearbeitet war als Kirchenvorsteher, dann in Pension ging und hier den Vorsitz übernahm. Ich hatte den Eindruck, dass er dieses Amt mit derselben Ernsthaftigkeit und Zuverlässigkeit ausgeübt hat wie seinen Dienst bei der Bundeswehr. Der Vorsitz kostet insofern mehr Zeit, als man das Gesamte im Blick haben muss. Die Verantwortung teilt man sich mit dem stellvertretenden Vorsitzenden. Dass wir in diesem Amt zurzeit mit Herrn Voges einen Wirtschaftsfachmann haben, ist für uns ideal, weil der Finanzbereich ein wesentlicher, wenn nicht der entscheidende Faktor für die Arbeit im Kirchenvorstand ist. Auch wenn wir von Gott seinen Geist und Gelingen für unsere Vorhaben erbitten, fällt auch in der Kirche das Geld nicht vom Himmel. Und dieses Kirchenzentrum mit den beruflich Beschäftigten, vor allem im FamilienZentrum, hat die Größe eines mittleren Betriebes, der so etwas wie eine Betriebsführung braucht. Ich bewundere es, wenn Ehrenamtliche dieses Amt neben ihrem Beruf übernehmen. Dann hoffe ich, dass es keinen Konflikt mit der Familie gibt. Zurzeit sehe ich nicht, dass wir eine/einen Ehrenamtliche/n haben, der/die sich die Zeit für dieses Amt nehmen kann. Dazu fähig wären einige im Kirchenvorstand.

Heißt dies, dass Sie den Vorsitz behalten werden?

Nein, auf keinen Fall! Ich habe Herrn Voges schon mal gefragt, wann er denn in Rente gehen wird… Doch das dauert noch ein bisschen. Und auch der Vorsitz wird demokratisch innerhalb des Gremiums gewählt, dann müssen wir sehen, was in der nächsten Wahlperiode entschieden wird.

Wenn Sie über den Kirchenvorstand sprechen, dann höre ich heraus, dass Ihnen die Arbeit Freude macht?

Das stimmt. Ich finde es spannend, wenn Menschen aus ihren unterschiedlichen Lebensbereichen ihre Erfahrungen und ihr Wissen einbringen. Es ist ein Segen, dass wir einen Rechtsanwalt dabei haben, der mit großer Sachlichkeit ab und zu Dinge klarstellt, von denen wir keine Ahnung haben. Glücklicherweise haben wir auch wieder eine Lehrerin dabei, die noch dazu an einer Schule im sozialen Brennpunkt arbeitet und weiß, was das heißt. Oder eine Ingenieurin, die gewohnt ist, mit großer Genauigkeit zu arbeiten und von daher einen Blick für die kleinen Dinge hat. Oder einen Engagierten, der schon lange im Stadtteil aktiv ist. In Bausachen kenne ich mich kaum aus, der große Gebäudekomplex erfordert viel Arbeit. Wenn diese unterschiedlichen Fähigkeiten zusammen kommen, und wir miteinander Lösungen finden, freue ich mich sehr darüber. Natürlich gibt es auch Konflikte, doch das gehört dazu.

Was sind für Sie die Herausforderungen für die Kirchenvorstandsarbeit?

Nach wie vor suchen wir zwei Ehrenamtliche, die jetzt im Kirchenvorstand mitarbeiten würden. Und in drei Jahren steht die nächste Wahl an. Ich weiß, dass wir als Gemeinde nicht anders als Vereine, Initiativen oder Parteien dastehen, die ebenfalls Mühe haben, Kandidaten zu finden, die verbindlich und verantwortlich das Gemeinwesen mitgestalten. Da, wo Menschen sich für eine ehrenamtliche Aufgabe bereit erklären und erleben: „Ich kann etwas mitgestalten. Meine Stimme wird gehört. Ich treffe in wichtigen Dingen der Gemeinde die Entscheidungen mit“, ist die Arbeit im Kirchenvorstand eine erfüllende Aufgabe.

Das Thema des demographischen Wandels, damit eingehend die Frage nach der Gemeindegliederzahl und die unterschiedlicher Interessen in einer Gemeinde zusammenzuhalten, also die „Integration der Diversität“, wie mein Kollege Pastor Petersen es genannt hat, das sind für mich zwei der großen Aufgaben. Über die inhaltlichen Herausforderungen sprechen wir ausführlich beim nächsten Mal, sonst wird das Interview zu lang.

Das Interview mit Pastorin Dr. Karen Schmitz führte Pastor Tesso Benti.

Diese Seite drucken Diese Seite drucken