Steintorplatz

Am Freitag, den 20. Juli, machten wir uns auf, den Steintorplatz und Umgebung kennen zu lernen. Das Wetter meinte es gut mit uns, Regenschirme konnten zu Hause bleiben. Als erstes hörten wir ein wenig von der Zeit, als der Räuber Hanebuth sein Unwesen trieb und auf diesem Platz vom Leben zum Tode durch das unangenehme „Rädern“ gebracht wurde. Auch der schöne Gänselieselbrunnen erinnert an diese Zeit. Damals hüteten die jungen Mädchen vor dem Stadttor auf der Goseriede die Gänse und waren gut beraten, vor Sonnenuntergang und Schließung des Tores wieder zurückgekehrt zu sein. Das Wort Riede bedeutet sumpfiges Gebiet und ist in der Stadt bei mehreren Straßennamen zu finden. Weiter ging es zum Anzeiger Hochhaus: Um 1928 erbaut, war ein Hingucker, und ist heute ein Wahrzeichen der Stadt. In der Kuppel war bis 1945 ein Planetarium untergebracht. Nach dem Krieg richtete sich dort ein Kino ein, die Hochhaus-Lichtspiele, z.Z. wegen der Renovierungsmassnahme in der Schalterhalle untergebracht. Einige erinnerten sich auch noch an ein Café in den oberen Etagen. Als Zeitungshaus, als das Herr Madsack es erbauen ließ, fungierte es bis 1974. Die HAZ zog in ein neues Verlagszentrum nach Bemerode um. Zwei sehr bekannte Magazine wurden hier erstmals herausgegeben: der „Spiegel“ und der „Stern“. Neben dem Anzeiger-Hochhaus ist das Goseriedebad zu bewundern. 1905 fertiggestellt war es das erste Hallenbad mit drei Schwimmbecken, 40 Wannenbädern, einem Dampf- und Luftbad sowie einem Hundebad in Hannover. 1943 wurde es schwer beschädigt und nach einer Instandsetzung 1948 teilweise wieder eröffnet. 1982 wurde es dann für immer geschlossen. Heute ist im ehemaligen Damentrakt der Kunstverein die „Kestnergesellschaft“ untergebracht. Im ehemaligen Herrentrakt hat radio ffn seinen Sitz. Gegenüber von diesen Gebäuden entdecken wir den Tiedthof. Der Gebäudekomplex wurde von den hannoverschen Gewerkschaften gebaut, mit mehreren Innenhöfen, Büros, Kino, Hotel, Kultur-und Selbsthilfegruppen. Auf dem Grundstück entstand eine Veranstaltungshalle für 6000 Menschen. Im Volksmund hieß das gesamte Karree „Der rote Block“. Es war das Zentrum der sozialistischen Arbeiterbewegung.  Ein Gedenkstein erinnert an den 1. April, als SS Gruppen das gesamte Gebäude stürmten, die Anwesenden misshandelten und 25 von ihnen verhafteten. 1998 wurde der Gebäudekomplex saniert und zum Geschäftshaus sowie Veranstaltungszentrum umgebaut.

Ein paar Schritte weiter stehen die Reste der Nikolaikapelle. Dieser als Ruine belassene Chorraum von 1325 zählt zu den ältesten Gebäudeteilen Hannovers. Sie diente dem Nikolaistift als Gotteshaus, das vor der Stadtmauer an Pest und Lepra erkrankte Menschen sowie Arme pflegte. Der angrenzende Friedhof hat im Laufe der Jahre einige Änderungen erfahren. Im Rahmen des Programms Hannover City 2020 erfolgte eine Neugestaltung für den seit 1987 unter Denkmalschutz stehende Friedhof.

Wir besuchten das bekannte Grabmal, der Jüngling von dem hannoverischen Dichter Hölty. Zum Schluss warfen wir einen Blick auf den Gehry-Tower in der Goethestraße und dann genossen wir wie immer noch das Einkehren in einem Café. Dort verging die Zeit bei interessanten Gesprächen wie im Flug.

Ute Lückert

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