Bethel v. Bodelschwinghsche Stiftung am 29. August

Auch bei diesem Ausflug hatten wir gutes Wetter und viel Glück mit der Busfahrt nach Bethel, ohne Stau auf der Autobahn. Bethel ist mit 3,6 Quadratkilometer eine kleine Stadt in der Stadt Bielefeld. Wir waren, denke ich, wohl alle erstaunt über das Ausmaß des Geländes.

Herr Bauer, unser Begleiter durch Bethel, begrüßte uns und gab den Tagesplan bekannt. Zunächst stellte er uns Bethel und die Vielfalt der V. Bodelschwinghschen Stiftungen vor. Die Stiftungen gehen auf die Gründung eines Heims für epilepsiekranke Menschen (damals Anfallskranke) im Jahr 1867 zurück. Leistungsschwächere Menschen sollten hier eine neue Heimat finden. Friedrich Simon war der erste Anstaltsleiter. Ihm folgte Friedrich von Bodelschwingh, der die Anstalt kolonieartig ausbaute. Die Aufnahme von Epilepsiekranken nahm stetig zu. 1872 waren es 30 Personen, 1910 bereits 2294. Sein Sohn, auch Friedrich, genannt Fritz, folgte ihm. Er führte Bethel durch die schweren Zeiten des 1. und 2. Weltkrieges. Den Neuaufbau mit vielen finanziellen Schwierigkeiten bewältigte dann Rudolf Hardt. Später übernahm wieder ein Friedrich, der Enkel, die Leitung. 84 Jahre waren Bodelschwinghs in Bethel tätig. Die Bodelschwinghschen Stiftungen haben sich in der heutigen Zeit vor allen Dingen zur Aufgabe gemacht, Gemeinschaft zu verwirklichen. Das beinhaltet Selbstbestimmung, qualifiziert helfen, Orientierung bieten, Lebensräume gestalten. Unter der Schirmherrschaft Bethels gibt es heute in Deutschland ca. 260 Anlaufpunkte. Im Jahr 2017 hat Bethel über 230.000 Menschen behandelt, betreut, beraten oder gefördert und ausgebildet.

Nach dem ausführlichen Vortrag des Herrn Bauer fuhren wir mit dem Bus zum Lindenhof. Dort erwartete uns ein wirkliches leckeres Mittagsbüfett.

Gestärkt setzten wir unsere Rundfahrt durch Bethel fort. Herr Bauer zeigte uns die verschiedenen Einrichtungen, das Krankenhaus Mara, den Pferdehof, das Jugendgästehaus, das Missionshaus usw. Halt machten wir bei der Zionskirche. Als Ende des 19. Jahrhunderts die Einwohnerzahl des Ortsteils Bethel über 500 Einwohner anstieg, fasste man den Entschluss, eine eigene Kirche zu bauen. Friedrich von Bodelschwingh der Ältere lieferte Entwürfe und Vorgaben für den Architekten. 1883 legte Kronprinz Friedrich von Preußen, ein Spielgefährte Friedrich v. Bodelschwingh, den Grundstein. Nach 16 Monaten wurde 1884 die imposante Zionskirche eingeweiht. Heutige Neubauten dauern in der Regel etwas länger!!! Spenden zahlreicher Adliger und betuchter Bürger machten es möglich. Die Kirche blieb im 2. Weltkrieg verschont. Bis 1970 hatte die Kirche eine besondere Sitzordnung, getrennte Plätze für Männer und Frauen. An den Seitenemporen befinden sich Kammern als Ruheräume für kranke Gottesdienstteilnehmer. Es konnte z.B. passieren, dass diese während des Gottesdienstes Anfälle erlitten. Bemerkenswert ist auch eine Majolika über der Eingangstür, gestiftet von der Firma Villeroy und Boch.

Weiter fuhren wir dann zur „Brockensammlung“, dem größten Secondhand-Kaufhaus in Ostwestfalen-Lippe. Die Sachspenden kommen aus ganz Deutschland, auch von der Epiphanias-Sammlung.  Einige unserer Teilnehmer wurden fündig. Es hat auch keiner seine gespendeten Sachen wieder gekauft! Mit dem Erlös werthaltiger Spenden wird die Arbeit Bethels unterstützt. Nach dem Kaffeetrinken im Freizeit- und Kulturzentrum „Neue Schmiede“ bedankten wir uns bei Herrn Bauer für seine kompetenten Ausführungen und die Führung durch Bethel. Wir bestiegen unseren Bus und kamen wohlbehalten wieder am Kirchturm an. Gesprächsstoff wird dieser Ausflug zu den Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel noch länger sein. Es war in jeder Hinsicht eindrucksvoll.

Bärbel Pehl

Diese Seite drucken Diese Seite drucken