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Ilser Webstube und Heringsfänger-Museum in Heimsen am 23. August 2018

Als am Morgen der Bus in die Straße einbog, kamen wir aus dem Staunen nicht heraus. Es war ein Doppeldeckerbus, in dem wohl an die 80 Personen Platz hatten. Wir, 26 Personen, hatten also sehr viel Raum. Pünktlich setzte sich der Bus in Bewegung und fuhr gen Westen. Auf der Gegenfahrbahn der Autobahn reihte sich kilometerweit ein Lastzug an den anderen. Wir kamen aber gut voran und fuhren ab Wunstorf über Land. Kurz nach 10:00 Uhr erreichten wir in Ilse (ein Dorf zur Gemeinde Petershagen gehörend) die Webstube. Dort angekommen wurden wir von einigen ehrenamtlich arbeitenden Damen freundlich empfangen. Sie weben in ihrer Freizeit an 13 voll funktionsfähigen Webstühlen aus verschiedenen Generationen. Diese wurden seit 1982 restauriert. Es entstehen wunderschöne Arbeiten. Es bedarf einer langwierigen und schwierigen Einrichtung des Webstuhls, um endlich zu weben. Unsere Leutchen waren nach anfänglicher Skepsis dann voll bei der Sache und sehr interessiert. Der Holunderlikör trug vielleicht auch dazu bei.

Weiter ging dann unsere Fahrt nach Petershagen in das Restaurant „Hellas“. Hier wurde zu Mittag gegessen. Wir stiegen danach wieder in unseren Riesenbus und fuhren nach Heimsen. Im Heringsfänger-Museum erwarteten uns zwei Herren, auch ehrenamtliche Mitarbeiter. Im Laufe von 30 Jahren wurde dort eine Ausstellung über die Heringsfänger aus dem Weserland zusammengetragen. Das Mittelwesergebiet war eine sehr arme Gegend und die Männer suchten nach Arbeitsgelegenheiten. Der „Hollandgang auf Heringsfang“ setzte ein und eben diese Hollandgänger wurden zu Pionieren der „Großen Deutschen Heringsfischerei“ ab 1870. Zeitweise waren bis zu 2000 Fischer auf See tätig. Das ermöglichte der Heimat, die Bauernschaften zu Dörfern zu entwickeln. 1972 erlosch der Heringsfang. In verschiedenen Ausstellungssegmenten konnten wir Einblick nehmen auf die schwere Arbeit der Fischer auf Loggern (Heringsfangschiffe) und auf die Fangmethoden mit verschiedenen Netzen. Im Heringsfängerland fuhren aus fast jeder Familie Mitglieder zur See. Mehr als 500 heimische Heringsfänger und 54 Logger kamen von den Fangreisen nicht zurück. Beeindruckt von vielen Ausstellungsgegenständen und Erklärungen unserer Museumsführer begaben wir uns dann in die angrenzenden 3 Fachwerkhäuser auf dem Gelände. Dort erwartete uns eine beeindruckende Ausstellung von Trachten aus der Umgebung. Zum Beispiel aus dem „Stipperland“. Auf Nachfrage wurde uns erklärt, dass in der Vergangenheit bei vielen Leuten eine große Schüssel mit Essen auf den Tisch kam und alle Familienmitglieder eben in diese Schüssel ihr Brot gestippt haben. Weiter gab es einige Wohnbereiche zu sehen: Stube, Wohnküche, Schlafgemach usw. Mancher hat dort Gegenstände aus seiner Kindheit entdeckt, und viele Erinnerungen wurden geweckt. In einem Haus waren dann Gegenstände aus dem Handwerk ausgestellt. In ihrer Zeit in der Heimat waren die Männer Hausschlachter, Stuhlflechter, Korbflechter und Spinnrad- und Holzschuhmacher, zeitweise auch Leineweber.

Den Kopf voll mit all diesem vielen Wissen und beeindruckt von den gezeigten Exponaten ließen wir uns dann im Museumscafé nieder. Der Apfel- und Butterkuchen war einfach ein Gedicht. Es schmeckte allen vorzüglich, und so konnten wir gut gestärkt die Heimreise antreten. Auch die Rückfahrt ging reibungslos vonstatten, kein Stau oder ähnliche Hindernisse. Ein Urlaubstag bei gutem Wetter fand dann gegen 18.30 h vor der Epiphanias-Kirche sein Ende.

Bärbel Pehl