Magdeburg am 31. August

Heute starten wir zu unserem letzten Ausflug in diesem Jahr. Magdeburg steht auf dem Programm. Als ich um die Ecke biege, sehe ich den Bus schon stehen. Prima, wenn die Mitreisenden nun, wie immer, auch so pünktlich sind, können wir um 9:00 Uhr starten. Die Fahrt verläuft trotz Baustellen auf der A2 reibungslos, und wir haben alle Zeit der Welt, bis die Gräfin Groeschnèer  (Frau Gröschner) kommt, um uns ihre Stadt zu zeigen. Schön, wenn so ein Ausflug ohne Hetze beginnt. Schwarzes Kleid und einen wunderschönen Hut, so ausgestattet begrüßt uns die „Gräfin“. Sie hat auch einen Bediensteten mitgebracht, der während der Begrüßung schon mal den Wanderschnaps vorbereit. So gut gestärkt kann es beginnen. Da wir vor dem Dom stehen, erfahren wir schon einiges von Otto dem Großen, seinen Frauen und Kindern. Ja und dieser Otto und alle Ottos danach erschweren uns unseren Stadtrundgang, denn seit einigen Jahren findet Ende August das Ottofest statt. Aber unsere Stadtfüherin hatte sich gut vorbereitet und wir bekommen eine Menge zu sehen und zu hören. Nach den ersten Eindrücken von dem gewaltigen Dom gehen wir zum Denkmal für die deportierten Magdeburger Sinti und Roma. Natürlich stehen wegen des Festes auf den Grünflächen viele Zelte, in denen die Akteure leben. Einige Landsknechte und auch hochherrschaftliche Damen laufen uns über den Weg. Weiter geht es Richtung Stadttor, und dort können wir dann auch einen Blick auf die Elbe werfen. Sie hat im Moment einen Rekordtiefstand erreicht, darum sind auch keine Schiffe zu sehen. Hier steht dann ein Glas Sekt bereit, dazu gibt es kleine Blätterteighäppchen. Vom Stadttor kann man gut den Fürstenwall erkennen. Das Gelände der heutigen Anlage war ursprünglich unbebautes Elbvorland. Während der Regierungszeit von Fürst Leopold von Anhalt-Dessau wurde der Fürstenwall umgewidmet. Aus der Festungsanlage wurde durch Erdaufschüttungen und Umbauten eine Mischung aus Park, Wohnungen und Wirtschaftsbetrieben. Inzwischen ist der Fürstenwall ein beliebter Ausflugsort, der inmitten touristisch interessanter Ziele liegt. Da der Fürstenwall sich mehrere Meter über das Niveau des Elbufers erhebt, besteht eine gute Aussicht über den Fluss. Weiter ging es zu einem Haus mit schrecklichen Fratzen an der Fassade, die die bösen Geister abhalten sollten, und dem wunderschön instandgesetzten Landtag in Richtung Bus. Es folgte eine kleine Stadtrundfahrt vorbei an wichtigen Gebäuden wie z.B. das Finanzamt. Dieses liegt so günstig, dass wir mehrfach daran vorbeifahren müssen. In der Alten Feuerwache, ein Veranstaltungszentrum, nehmen wir dann unser Mittagessen ein. Aber um dort hinzukommen hat unser hervorragender Busfahrer Schwerarbeit zu leisten. Es gibt Soljanka. Ich mag diese Suppe sehr gerne, aber einige der Mitreisenden hatten diesmal einen Diät-Tag. Auch die Rote Brause fand nicht bei jedem Gefallen. Zum Abschluss hatten wir noch eine Domführung. Ja dieser Dom ist eine Reise und auch eine Führung wert. Von den vielen Sehenswürdigkeiten möchte ich die Paradiesvorhalle erwähnen, mit den klugen und den törichten Jungfrauen. Bewundernswert ist, wie es dem Bildhauer gelang, unterschiedliche Gefühlregungen – zwischen höchster Freude und tiefster Verzweiflung – auszudrücken. Auch das bedeutende Holzbildwerk von Ernst Barlach – das Mahnmal des Krieges – beeindruckt uns sehr. Es gäbe noch Vieles zu berichten, aber das würde den Rahmen sprengen. Wenn wir Sie neugierig gemacht haben fahren Sie nach Magdeburg

Noch ein kurzer Zusatz: Wieder einmal hat sich der Satz „Reisen bildet“ bestätigt. Nicht nur kulturelles Wissen wurde uns vermittelt, nein auch ganz lebenswichtige Erkenntnisse haben einige Mitreisende gewonnen. Da wir in Magdeburg keine Zeit hatten, um in ein Café einzukehren, und die Beschwerden wegen des fehlenden Kaffees auch zu mir drangen, bat ich den Busfahrer an einer Raststätte für eine kurze Pause anzuhalten. Dort konnte man sich einen „Cafe to go“ holen. Für viele war dies das erste Mal, dass sie so eine schnelle Kaffeepause machten.

Ute Lückert

 

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