2017 Pop-Oratorium Luther mit dem Gospelchor

Epiphanias Gospelchor beteiligt sich beim Pop-Oratorium Luther

Im Lutherjahr ist viel von der Reformationszeit zu hören und zu lesen: Vorträge, Diskussionen, Veranstaltungen ziehen sich durch das ganze Jahr, die sich mit Luther und seinem Wirken beschäftigen. Die Reformationszeit war eine spannende, konfliktreiche, aufwühlende Zeit. Der Alltag der Christen in Deutschland wurde durch sie maßgeblich verändert: Gottesdienste wurden jetzt auf Deutsch gehalten und damit für alle Gemeindemitglieder verständlich, die evangelische Kirche sprach vom Priestertum aller Gläubigen – die unhinterfragte Vormachtstellung des Klerus wurde damit gebrochen. Auch der Kaiser kam durch die Reformationsbewegung an seine Grenzen: Er wollte Luther das freie Wort verbieten und musste feststellen, dass er die neue Bewegung nicht verhindern konnte.

Über diese Ereignisse kann man vieles ernsthaft sagen. Aber eine Pop-Oper? Kann so eine Veranstaltung der Reformationszeit gerecht werden? Wird da diese Zeit nicht zu leicht genommen? Eine seriöse Darstellung dieser Zeit ist so doch kaum möglich.

Das habe ich gedacht, bevor ich auf die erste Probe ging. Aus vielen verschiedenen Gospelchören Hannovers und Umgebung war ein Chor von 2.000 Sängerinnen und Sängern gebildet worden. Wir begannen, und das Stück zog uns in den Bann.

Das lag sicher zuerst an der Musik. Die Lieder sind gut geschrieben, verbinden moderne Musik mit den Liedern der Reformationszeit und führen so leicht in die Zeit hinein, die sie darstellen sollen.

Luther, der Hauptdarsteller, wird nicht verklärt. Er wird als das vorgestellt, was er war: Ein Pastor, der seine Aufgabe darin sah, die Bibel, Gottes Wort, wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Darum kämpfte er gegen die Macht- und Geschäftsinteressen der Kirche seiner Zeit. Es ging ihm nur um den wahren Glauben, nicht um die Ungerechtigkeiten dieser Welt. Das wird im Pop-Oratorium klar herausgestellt. Auch die Judenfeindlichkeit Luthers wird nicht geleugnet. Das Pop-Oratorium ist damit erstaunlich realistisch.

Die Politik der Reformationszeit findet auch ihre Darstellung: Der junge Kaiser, der bestrebt ist, seine Macht zu festigen und sich den anderen überlegen zu zeigen, Der Dominikaner Faber, der die Interessen des Papstes wahrnimmt und Luther vor dem Kaiser zu Widerruf und Unterwerfung auffordert. Ganz modern ist auch die Sicht der Banker: Über den Ablasshandel werden kirchliche Projekte finanziert, Kirchen und Dome gebaut. Verärgert stellen sie fest, dass Luther sich gar nicht klarmacht, welche Finanzinteressen er durch seinen Kampf gegen den Ablasshandel übersieht.

Das alles kommt mit guten Darstellern, packender Musik und viel Einsatz beim Publikum an. Es ist wirklich gelungen, einen entspannten, fröhlichen Abend mit der Darstellung der Reformationszeit zu verleben, ohne dass dabei Kitsch ins Spiel kommt. Wir Sänger hatten viel Freude bei der Aufführung. Ein Besuch lohnt sich.

Irmgard Schulz

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