Mosaik in der Altarwand

Das Kachel-Mosaik an der Ostwand unserer Kirche wurde 1960 von dem Künstler Klaus Arnold, Neckarsteinach, geschaffen.

karte.jpgFür die Besucher unserer Kirche ist es eher verwirrend als sofort erkennbar, worum es geht. Es bedarf darum einiger Hinweise, die den Betrachter zum Verweilen, Hinschauen und Nachdenken einladen sollen. Ich möchte sie Ihnen hiermit geben. Mir wurde diese Deutung so überliefert, wenn sie auch nicht vom Künstler selber stammt.

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Aus den dunklen Schrägen ergibt sich der Umriss eines Kelches: Kelch, Symbol des Leidens Christi, des Leidens der Menschen bis heute. Gott leidet in der Not der Menschen (Matthäus 25, 31 – 46). – Und: Kelch, Symbol der Abendmahlsgemeinschaft, die aus diesem Leiden erwächst. Alle sind eingeladen zu der Gemeinschaft mit Gott und untereinander, zu der Gemeinschaft der Vergebung und des Aufbruchs in Gottes neue Welt – alle, auch der Judas, der Jesus verrät.

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Anders betrachtet wird der Fuß des Kelches zum Hügel Golgatha mit den drei Kreuzen von Jesus und den beiden Verbrechern (Lukas 3, 32 – 43). Rechts das Kreuz Jesu, links daneben das Kreuz des Verbrechers, der Jesus bittet: „Jesus, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Das Kreuz des anderen Verbrechers, der Jesus schmäht, ist (links unten) zur Erde gefallen. Er liegt abseits, aber er bleibt zugleich noch unter der Gemeinschaft des Kelches.

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Wenn wir genau hinschauen, entdecken wir noch drei Gesichter im Mosaik. Das Gesicht Jesu und das des ersten Verbrechers sind einander zugewandt, die Münder sind geöffnet. Sie reden miteinander (die Profile sind mit Nase und Mund angedeutet), sie sind im Gespräch miteinander, Jesus mit strahlend zugewandtem Auge, der andere mit nachdenklich geschlossenem Auge. Der Bittende bekommt von Jesus die Antwort: „Heute wirst du mit mir zusammen im Paradies sein.“ Der andere Verbrecher ist aus dem Gespräch herausgefallen, sein Mund zeigt nach unten. So kann er nicht mehr mitreden. Sein Auge ist erschrocken starr geöffnet. Aber Jesus behält ihn dennoch im Auge, schaut ihn mit an.
So möchte ich persönlich diesem Bild die Überschrift geben: Christus wendet sich uns zu, schaut uns an, spricht uns an und nimmt uns hinein in die Gemeinschaft von Kreuz und Kelch, ganz gleich, wer und wie wir auch sind.

Oswald Wiehe (ehemaliger Pastor der Epiphaniasgemeinde)

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